von George Tabori

Mit makabrem Witz und einer irritierenden Doppeldeutigkeit erzählt George Tabori die Geschichte der Deportation der Juden von Budapest nach Auschwitz – und damit auch von der unerwarteten Rettung seiner Mutter Elsa.

Die Mutter, die an einem Sommervormittag des Jahres 1944 auf dem Weg zum Romméspiel bei ihrer Schwester Martha ist, wird verhaftet und in den Zug nach Auschwitz gebracht. …

Wegen dieses Umwegs erreicht sie die Wohnung ihrer Schwester erst abends.

Das Banale und das Existenzielle, das Ungeheuerliche und das Sexuelle, das Ernsthafte und das Lächerliche dieser authentischen Begebenheit werden in dem 1979 uraufgeführten und von Michael Verhoeven verfilmten Stück provozierend nebeneinander gestellt.

George Tabori hat in Auschwitz seinen Vater und einen großen Teil seiner Familie verloren, seine Mutter ist wie durch ein Wunder von den Toren des Todes zurückgekehrt.

Er erzählt mit ihr und für sie diese Geschichte, bei dem die beiden nicht müde werden, sich ständig kleinster Details zu vergewissern.

Tabori tut es außerhalb jedes Pathos mit der Distanz der Zeit, mit einem weisen, zarten Lächeln bis hin zu makabrem Witz.

Wie überleben, ohne zu verraten? Das Unsagbare – wie darstellen?

Und doch kann Tabori über nichts anderes sprechen.

Er tut es ohne Hass, ohne Schuldzuweisung mit seinem tiefgründigen, schwarzen Humor.

Er zitiert die Ausnahme und verweist uns auf die Regel: Sein Happy End prangert nur mit umso mehr Wirksamkeit das Verbrechen an Millionen von Menschen an, die im Rauch über Polen aufgegangen sind.

In allen seinen Dramen geht es um die Erinnerung, um ihre Versinnlichung und Vergegenwärtigung, um ihre Subjektivität und daher um die Frage, wer wie von seinen Erinnerungen erzählen kann.

Sein Beitrag zum Theater im deutschsprachigen Raum ist untrennbar an dieses, sein großes Lebensthema geknüpft, mit dem er sich über Jahrzehnte kontinuierlich auseinander gesetzt hat.

Es ist keine neue Geschichte in diesem Gedenkjahr, die er uns erzählt, aber es ist eine Geschichte, die man sich hüten muss, zu vergessen.

Er schlägt uns nur eine andere Art und Weise vor, sie zu erzählen, und an uns wird es sein, dafür die Kunst und die Mittel zu finden.

SpielerInnen:

Melanie Rosinger

Kurt Geiseder

Thomas Hartwagner

Thomas Hochreiter

Sieglinde Kemptner

Simon Kronsteiner

Elisabeth Mitterschiffthaler

Elisabeth Neubacher


Inszenierung:

Helga Gutwald