von Yasmina Reza
Rhetorisch – komödiantischer Slapstick
Serge, ein gediegener Dermatologe, kauft sich ein vollkommenen weißes, allenfalls irgendwie hauchzart schraffiertes Ölgemälde – „einen Antrios“ aus den Siebzigern – für 30.000 Euro. Marc, Ingenieur der Aeronautik, Zyniker und Pragmatiker sieht sich gezwungen, seine Freundschaft zu Serge von Grund auf in Frage zu stellen: „Weil ich Serge mag und nicht fähig bin, den Serge zu mögen, der dieses Bild kauft.“
Und so beginnt ein lächerlich lachhafter Konfliktstrudel, in den auch der Dritte im Bunde, Yvan, der sich schnell und bedenkenlos der jeweiligen Situation anpasst, immer tiefer mit hineingezogen wird.
Mit ihrem Stück „KUNST“ ist ihr eine Komödie gelungen, die nicht voller Tiefsinn ist, sondern vielmehr voller Hintersinn. In der hinter Banalitäten die Abgründe aufleuchten.
Anflüge von offenkundigen Wichtigkeiten werden schnell zur Seite geräumt, die Freundschaft der drei Protagonisten wird durch scheinbar Nebensächliches bestimmt.
Ein weißes Bild, das Sinnbild für Stille, wird zum Stein des Anstoßes für übersteigerte Reaktionen. Es wird zur Projektionsfläche der absurdesten, wahnwitzigsten Einfälle, zum Zentrum geradezu panischen Redens.
Ein unbedachter Satz wird zur Triebfeder immer weiter aufgebauschter Diskussionen, in deren Verlauf nie etwas geklärt wird, sie enden stets nur aufgrund der Erschöpfung eines der Streithähne.
Während dieser sich noch von den Strapazen des letzen Wortgefechts erholt, treten schon die beiden Verbliebenen zur nächsten Kampfesrunde an. Das Stück verläuft vom verbalen Reden, über Schattenboxen und Seelenstechen zur leichten Körperverletzung. Man bekommt eine Ahnung davon, wie Hahnenkämpfe funktionieren, wie Bürgerkriege entstehen.
Schleichend langsam drängt sich die Frage auf, warum diese drei Figuren eigentlich befreundet sind und man versteht, wenn Yasmina Reza bei der Verleihung des Evening Standard Award fasziniert ist, einen Preis für die beste Komödie bekommen zu haben. Dachte sie doch, eine Tragödie geschrieben zu haben.
Ein kleines, nicht nur männlich menschliches Spiel über die Freundschaft.
Darsteller:
Kurt Geiseder
Thomas Hartwagner
Helmut Reiter
Regie:
Helga Gutwald
Produktionsleitung:
Helga Lang
Technik:
Christian Kemptner